Samstag, 25. Februar 2017

Ausgelesen: "Fettlogik überwinden" von Nadja Hermann

Die Frau Hermann hat in sechs Monaten 45 kg abgenommen, indem sie nur 500 kcal pro Tag zu sich genommen hat. Das kann jeder. Also…jeder, der es schafft, sechs Monate lang täglich von nur 500 kcal zu leben. Und wohl so ziemlich jeder, der so ein Programm durchhält, wird dabei einen substantiellen Anteil seines Gewichtes verlieren. Das dürfte völlig unstrittig sein. Trotzdem hat die Frau Hermann zur Sicherheit ein Buch darüber geschrieben, um uns noch einmal davon zu überzeugen, dass es so ist.

Die Frau Hermann schafft viele Dinge, die den meisten Menschen nicht besonders leicht fallen. Sie hat es geschafft, sehr viel abzunehmen (von 150 kg auf ca. 65 kg) und schafft es momentan (vermutlich), ihr aktuelles Gewicht zu halten. Ganz so einfach ist es offenkundig auch für sie nicht - das beschreibt sie sogar in ihrem Buch. Aber sie ist vermutlich sehr viel besser darin, dauerhaft und im Hinblick auf Gewichtskontrolle prekär zu essen, als die meisten anderen. Die Strategien, die sie dazu anwendet, dürften allerdings so ziemlich all ihren LeserInnen bereits vertrauter sein, als ihre eigenen Dehnungsstreifen. Das liegt daran, dass man genau diese auch so gut wie jeder Frauenzeitschriftt, die zwischen 1979 und 2009 erschienen ist, hätte entnehmen können. Bis auf die drei letzten in der folgenden Liste vielleicht...

Hier eine Auswahl:

1. Heißhungerattacken kann man gut damit begegnen, Wasser zu trinken, oder einen kurzen Spaziergang zu machen. Heißhungerattacken und ihre Bewältigung werden in dem Buch übrigens öfter erwähnt. Warum die Autorin diese überhaupt hat, bleibt wohlweislich eher im Dunkeln.
2. Grüner Tee ist irgendwie immer gut.
3. Treppensteigen und auf der Stelle zu rennen helfen dabei, trotz Zeitmangels Sport zu treiben.
4. Positiv denken hilft auch immer.
5. Wenn man keine Süßigkeiten zu Hause hat, wird man sie auch nicht so leicht essen. "Es ist sinnvoll, die Verführungen zu begrenzen." (S. 355)
6. Süßigkeiten durch Rohkost ersetzen.
7. Kalorien zählen - auch dann, wenn das Zielgewicht erreicht ist. "(...) wenn ich ganz darauf verzichte, merke ich schnell, wie ich mir wieder die klassische Wahrnehmungsverzerrung anlache, dass mir Portionen viel zu klein erscheinen, oder ich Dinge vergesse, die ich gegessen habe." (S. 343) "Andererseits empfinde ich das Zählen auch nicht als große (...) Qual, da es im Prinzip nur fünf bis zehn Minuten in Anspruch nimmt..." (S. 344) Insgesamt ist es halt "ganz beruhigend, die Kalorienbilanz im Hinterkopf zu haben." (S. 344)
8. Nach "Ausrutschern" nicht aufgeben und "wieder in die Spur kommen". (S. 198)
9. Gegebenenfalls Nahrungsergänzungsmittel und Proteinpräparate einnehmen.
10. "Wenn ich mich etwa zum Essen verabrede, dann plane ich so, dass ich schlemmen kann." (S.160) Soll heißen: Hinterher oder vorher wird weniger gegessen und dafür mehr Sport getrieben. Siehe auch Punkt eins.
11. Salatdressing kann man, statt mit mit Öl, auch mit Wasser und Süßstoff machen. (S. 158)
12. Keinesfalls sollten Abnehmwillige "sich selbst limitieren (...), indem sie weiter an ihrer "dicken Identität" festhalten". (S. 214)
13. Um hängende Haut nach der Abnahme muss man sich keine Sorgen machen. Man muss einfach nur dünn genug werden: "So wenig Fett wie möglich übrig zu lassen, das die Haut nach unten zieht, ist ebenfalls wichtig." (S. 208)
14. Und dann noch diese verblüffende Eröffnung: "Normalgewichtige scheinen häufiger eine Aufnahme von Mehrenergie mit mehr Gezappel zu kompensieren, als Übergewichtige dies tun." (S. 39) Daraus möge nun jeder die Verhaltensregel ableiten, die er für angemessen hält. Facepalm.
15. Zu guter Letzt sollte man gefälligst immer schön am abschreckenden Kopfkino arbeiten, damit einem jeder überflüssige Bissen auch ganz bestimmt im Halse stecken bleibt: "Ich sah mir bewusst OP-Fotos und Videos adipöser Menschen an und das Fettgewebe im Bauchraum. Ich sah mir Fettlebern und verfettete Herzen an, und für eine kurze Zeit empfand ich Ekel bei dem Gedanken an das gelbe, aufgeblähte Gewebe, das da in mir war." (S.331)

Dass (fast) all ihre Diättipps älter sind, als die Mutter von Gott, ist der Frau Hermann, die sich ja offenbar gerade erst durch einen Nebel von irreführenden "Fettlogiken" gekämpft hat, augenscheinlich unbekannt. Dass Generationen von Frauen bereits an der Umsetzung gescheitert sind, wäre ihr vermutlich egal. Da ist es sicher auch unerheblich, dass z.B. Weight Watchers bereits seit 1997 als Folge einer Auseinandersetzung mit der Federal Trade Commission in den USA ihrem Kleingdruckten den Hinweis “For many dieters, weight loss is temporary” (Für viele, die Diät machen, ist die Gewichtsabnahme vorübergehend) hinzufügen müssen.

Das Bemerkenswerte an dem Buch der Frau Hermann ist also nicht das darin dargelegte Rezept zur Gewichtsabnahme, garniert mit den gängigen Todesdrohungen und Ermahnungen, sondern vielmehr die Tatsache, dass die dicke Frau Hermann offenbar ihre prägenden Jahre auf einem völlig anderen Planeten verbracht hat, als der Rest von uns. Sie lebte auf dem Planeten der „Fettlogiken“, auf dem offenbar ganz andere Vorstellungen über die Gefährlichkeit und das generelle Schlechtsein von Dicksein herrschten, als hier. Auf ihrem Planeten war man der Ansicht, dass es möglicherweise gar nicht so schrecklich ungesund ist, einen BMI über 24 zu haben und dass es ganz und gar nicht einfach noch womöglich überhaupt sinnvoll ist, sein Gewicht durch Diäten langfristig mehr oder weniger stark zu reduzieren. Anders als alle anderen, musste Sie sich erstaunlicherweise erst mühsam und durch eigene Kraft die Überzeugung erarbeiten, dass man als Dicke dem Tode geweiht und selbst daran Schuld ist, aber diesem durch eiserne Disziplin, ersatzreligiöses Kalorienzählen und möglichst viel Sport dann doch noch von der Schippe springen kann. Und bitteschön auch ethisch dazu verpflichtet ist, dieses zu tun. 

Wir wussten das alles schon immer. Denn diese Überzeugungsarbeit haben für den Rest von uns selbstverständlich die Medien, die Mütter, die Ärzte und wer weiß noch alles ganz ohne unser Zutun erledigt. Körperbezogene Schuld und Angst und Diätbereitschaft haben wir sozusagen in die Wiege gelegt bekommen. Ich hätte gern die Adresse des Planeten, auf dem die Frau Hermann einst lebte. Da will ich nämlich auch hin.

Kurzum, die Frau Hermann hat ein Buch geschrieben, in dem sie Mythen über Gewicht und Abnahme widerlegt, die in den letzten Jahrzehnten ohnehin keiner ernsthaft für wahr gehalten hat. Sie versucht, den Mainstream als Mainstream zu etablieren, und tut so, als wären vergleichsweise neuere Ideen und Erkenntnisse seit Ewigkeiten die herrschende Meinung. Die von ihr vehement bekämpften "weit verbreiteten Diätlügen" (Buchcover) wie z.B. Health at Every Size oder Fettakzeptanz sind aber bekanntlich erst verhältnismäßig neu und haben sich darüber hinaus noch lange nicht durchgesetzt - weder gesellschaftlich noch unter Medizinern. Was um alles in der Welt könnte also ihr wahres Problem sein, was die Gründe für ihren erstaunlich verbissenen Kampf gegen neue Ideen, die man getrost noch immer als Außenseiterkonzepte bezeichnen könnte?...Man kann es nur vermuten. Oder: Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Die Frau Hermann hat mich ja mal gefragt, wie ich denn bloß darauf käme, dass sie "dickenhassed" sei.

Nun ja...

"Eine Heroin-Acceptance-Bewegung, die darauf besteht, dass zerstochene und vernarbte Arme erotischer sind als gesunde Arme, würde kaum Fuß fassen. Auf der anderen Seite wird gefeiert, dass eine Mainstream-Modelagentur ein Model mit einem morbid adipösen BMI unter Vertrag nimmt. Sie wird geschminkt, in eine Corsage gezwängt und mit Photoshop so bearbeitet, dass ihre Figur möglichst attraktiv wirkt. Die Botschaft wird dann als "body positive" dargestellt. Inwiefern unterscheidet sich dies von dem hypothetischen Versuch, das Selbstbewusstsein von Heroinabhängigen zu stärken?" (S. 323)

Bei der Frau Hermann weiß man halt immer nicht, was größer ist - ihre quasi religiös aufgeputschte Bösartigkeit, oder ihre Weltfremdheit. Denn ironischerweise dürften sich die meisten meiner Leserinnen sehr wohl noch an den Heroin Chic erinnern, der unter anderem Kate Moss zum Supermodel ihrer Zeit machte.

Ach ja, und das Buch ist voll mit Studien. Das wird gern von begeisterten Rezensenten ins Feld geführt. Die Frau Doktor hat (fast) all ihre Thesen auch handfest und wissenschaftlich belegt. Ätsch! - Nun wissen wir natürlich alle, dass vermutlich so ziemlich jeder, der es vorhat, ein Buch mit Studien vollkriegt, die genau das belegen, was er belegt haben möchte. Das gilt übrigens ebenso auf dem Gebiet der Fettrationaltät. Hier sei z.B. "Body of Truth" von Prof. Harriet Brown (Syracuse University, New York) empfohlen. Selbstverständlich ebenfalls randvoll mit Studien. Das an sich ist aber noch kein Kriterium. Auf die Qualität der herangezogenen Studien kommt es an.

Allein auf Seite 90 des Buches "Fettlogik überwinden" werden drei Studien zitiert, um darzulegen, dass ein BMI über 25 zu einem signifikant erhöhten Sterberisiko führt. Das ist an sich schon immer ein wenig problematisch, weil die Bestimmung des "normalen" Sterberisikos eines im Augenblick gesunden Menschen so oder so schlicht eine kniffelige Angelegenheit ist. Aber sei es drum. Die erste Studie ist von 2010 und wurde von Amy Berrington de Gonzalez (D.Phil) vom National Cancer Institute in Maryland, USA erstellt. Das Institut ist Teil der National Institutes of Health. Hierbei handelt es sich wiederum um eine Behörde der USA, auf deren Neutralität man sich eigentlich schon verlassen können müsste. So weit so gut.

Die zweite Studie stammt aus dem Jahre 1999. Bei der federführenden Verfasserin handelt es sich um Eugenia E. Calle (PhD), die zu Lebzeiten für die American Cancer Society arbeitete. Hierbei handelt es sich um eine "unanhängige" und "non-profit" Organisation, die laut Kritikern weder das eine noch das andere ist und bereits seit Jahrzehnten immer wieder in die Kritik gerät, eher im Dienste ihrer Hauptspender (Pharma- und Chemiekonzerne) zu handeln, als im Interesse der Allgemeinheit. Und das mit erheblichen Mitteln und politischem Einfluss. Ein in diesem Zusammenhang explizit aufgeworfener Vorwurf ist auch, dass es sich dabei, einer vermeintlich zu dicken und zu trägen Bevölkerung die Schuld an ihren Krebserkrankungen selbst zuzuschieben, um Ablenkungsmanöver handelt, z.B. vom Einfluss von Pestiziden auf die Anzahl der Krebserkrankungen. Wer will, kann ausgerechnet dazu eine weitere Studie lesen.

Die dritte Studie auf Seite 90 wurde 1995 von JoAnn Manson erstellt, ihres Zeichens Professorin an der Harvard T.H. Chan School of Public Health. 1995 beriet die Frau Manson übrigens auch ganz zufällig gleich zwei private Pharmaunternehmen (Interneuron Pharmaceutical und Servier) im Hinblick auf die Überprüfung von Dexflenfluramin in den USA durch die Food and Drug Administration. Bei Dexflenfluramin handelte es sich, wen mag es noch groß wundern, um einen Appetitzügler, der übrigens 1997 aufgrund seiner horrenden Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen wurde. Dieser Interessenkonflikt und mangelnde Transparenz brachten die Frau Manson bereits 1996 in Schwierigkeiten - und zwar mit den Herausgebern des New England Journal of Medicine.  

Und ich höre sie schon rufen: Aber die Frau Hermann hat ja schließlich selbst einen Doktortitel in Psychologie und weiß damit genau, wovon sie redet! Damit auch keine Leserin je vergisst, dass die Autorin promoviert hat, weist diese in regelmäßigen Abständen im Buch darauf hin. Außerdem steht selbstverständlich der generische Titel auf dem Cover des Buches vor Ihrem Namen, was bei deutschen Publikationen ohnehin eher ungewöhnlich ist. Und wenn ich mich nicht komplett verlesen habe, war sie erst 25, als sie ihren Titel erwarb. Donnerwetter, das ist auf jeden Fall sportlich, denn um das an einer deutschen Uni zu schaffen, muss man bekanntlich von der Abiprüfung direkt in den Hörsaal plumpsen und hat ab da dann eigentlich auch keine Zeit mehr, sich zwischendrin die Zähne zu putzen. Natürlich hätte es mich sehr interessiert, einen Blick in diese Arbeit zu werfen.

Nun müssen Dissertationen in Deutschland ja veröffentlicht werden und zumindest die Deutsche Nationalbibliothek muss sie im Verzeichnis führen. Aber ich konnte sie nicht finden. Also wandte ich mich an den Ullstein Verlag, um den Titel vielleicht so zu erfahren. Die zuständige Lektorin leitete meine Anfrage kurzerhand an die Autorin selbst weiter, die mir anbot, "entsprechende Belege dem Verlag zur Verfügung (zu) stellen, der sie dann prüft und (...) anonymisiert (...) weiterleitet". Der Name Hermann sei der Name ihres Mannes, den sie aber noch nicht offiziell angenommen habe. Außerdem sei sie bedroht und gestalkt worden und könne somit ihre Daten nicht preisgeben. Darüber hinaus sei der Inhalt der Arbeit auch nicht für mich von Interesse, da er "mit dem Thema Übergewicht nichts zu tun" habe. Laber Rhabarber.

Es gäbe hier vermutlich noch viel zu sagen. Aber ich habe echt keine Lust mehr. Und jetzt kann das bizarr stümperhafte, toxische Teil, nachdem es monatelang hier rumgelegen hat, auch endlich ins Altpapier.

Ich bitte euch: Wenn ihr unbedingt eine Diät machen wollt, esst Kohlsuppe. Aber bezahlt niemandem auch noch Geld dafür, beschimpft, bedroht, gemaßregelt und verunglimpft zu werden. 

NH

Kommentare:

  1. Ja, genau Nicola! Das einzige Buch, das ich wirklich ohne Hemmungen weggeschmissen habe. Denn es soll niemand anderen mehr ärgern können.
    Gäbe viel dazu zu sagen. Aber schade um die Zeit.
    Bullshit! Und ich hätte das Teil niemals bestellt, wenn der Hinweis darauf nicht bei Amazon unter den Kommentaren über ein anderes nicht so tolles Buch über das Abnehmen gestanden hätte. Da bin ich deutlich mit meiner Neugierde rein gefallen.
    Liebe Gruss Susanne

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    1. Lass mich Raten - das andere buch war "die Fettlöserin"? xD :D

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    2. Da hast Du richtig geraten :-)

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  2. Vielen Dank für deinen Text zu dem Buch!
    Ich hab es selbst nicht gelesen, werde ich auch nicht, aber es wird immer mal wieder als "Gegenargument" aufgeführt, wenn es um Fatacceptance o.ä. geht. Das und die Äußerungen der Autorin im Netz haben mir eigentlich schon gereicht, um das Buch einzuordnen.

    Aber das noch mal von dir bestätigt zu bekommen ist super!
    Vielen Dank fürs lesen und rezensieren!
    Liebe Grüße
    Johanna

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  3. Vielen Dank für diese Rezension. <3

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  4. 500kcal am Tag? Das würde mein Körper niemals mitmachen. Du meine Güte. Ich hatte schon von dem Buch und dem Blog gehört, aber wenn ich das so lese, kommt mir das kalte Grausen.
    Danke für die Rezension, dieses Buch spare ich mir dann.

    Liebe Grüße!
    carnam

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  5. DANKE. Wirklich. Danke.
    Das fasst so ziemlich meine Gedanken zu dem Buch zusammen - leider kommt man in der Abnehm-Community gar nicht mehr drumherum. Ich habe selbst schon Anfeindungen von Fettlogik-"Jüngern", wie ich sie selbst gern nenne, bekommen. (Daher traue ich mich nicht wirklich eine Rezension zum Buch zu bloggen)
    Es ist mir einfach unverständlich wie solch ein Buch so eine positive Resonanz bekommen kann.

    Daher nochmals, ich danke dir.
    Liebe Grüße! :)

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  6. Danke danke danke!

    Jedes Wort ist so wahr und so gut! Und danke dass du dich traust mal was kritisches dazu zu schreiben!

    Sobald man dieses "Werk" kritisch hibefragt bekommt man sofort von den "Jünger*innen* extremste AnfWindungen zu hören. Ein sachlicher Diskurs ist gar nicht möglich. Echt übel...

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    1. Die Erfahrung habe ich auch gemacht.
      Mir sind zwei Varianten zu Ohren gekommen: Entweder hat man das Buch nicht verstanden oder nicht gelesen - anders kann man ja da gar nicht gegen sein. Ich wurde wirklich mehrfach angegangen und passiv aggressiv auf Posts verlinkt wo diese Jünger dann mich Ansprachen ohne mich anzusprechen und angegangen.
      Unterste Schuhsohle. Wehe man sagt was gegen dieses Herpes der Abnehmwelt. Man wird sofort gegeißelt. Und alles unter dem deckmäntelchen dass man ach so tolerant und offen ist und rede Meinung zulässt. Dass ich nicht lache!

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    2. Ja, das ist mir auch aufgefallen, dass die Jünger/innen gern zur Verteidigung schreiten. Sind das slimming bots? ;-)

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  7. Ich kann gar nicht aufhören, mich über die 500 kcal zu wundern. Wie in aller Welt soll denn ein Körper mit so wenig Essen die Nährstoffe erhalten, die zum Gesund bleiben nötig sind? Ernsthaft. Auch wenn ich für die 500 Kalorien einen Berg Gemüse esse (und SO viel ist das selbst in Gemüse nicht), fehlt mir immer noch das verdammt wichtige Fett. Ohne das viele Bestandteile der Nahrung ja nicht einmal verwertet werden können.

    Die muss doch unter Mangelversorgung leiden, was Mikronährstoffe angeht. Tja. Nee. Nix für mich.

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  8. Eine Freundin von mir leidet unter den Folgen einer Magersucht und solche Bücher wie das hier kritisierte tragen sicher ihren Teil dazu bei dass Leute sich kaputt hungern. Ich stimme der Verfasserin dieses Artikels vom ganzen Herzen zu.

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  9. Ich habe auf Amazon begeisterte Kritiken von Fans des Buches gelesen, die offensichtlich von Aficionados stammen, die erst vor relativ kurzer Zeit den Lehren der Frau Hermann folgen.
    Ich verstehe den dringenden Wunsch abzunehmen sehr gut; aber wer nur ein bisschen über die Thematik weiß, der weiß auch, dass kurzfristige (!) Abnahmeerfolge eben nur ein Teil der Story sind - das Ausschlaggebende ist, ob das Gewicht gehalten werden kann, über mehr als 5 Jahre idealerweise. Den Beweis, dass das mit der Fettlogik-Methode funktioniert, konnte doch noch gar nicht erbracht werden.
    Also warum die Lobeshymnen?

    Wer ein bisschen mehr Einblick in die Thematik und Mühen des GEwicht HALTENS lesen will, abseits von quick fixes à la Fettlogik, kann ja mal bei justmaintaining.com reinschauen. Das Blog ist nicht mehr aktuell, aber sehr interessant.

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  10. Danke! Ich erlebe derzeit mit Verwunderung, wie das Buch unter eigentlich ganz intelligenten Menschen Kreise zieht und eine merkwürdige, sektenhafte Fangruppe hervorbringt. Danke für allem für das Hinterfragen der zitierten Studien, exemplarisch an einer Stelle - das müsste man eigentlich für das ganze Buch machen, wenn man denn keine anderen Hobbys hätte. Dass sich über den Doktortitel der Autorin nichts herausfinden lässt (ich hatte auch versucht, die Arbeit zu finden), finde ich mehr als merkwürdig - vor allem, weil durchaus häufiger auf ihre Diplomarbeit zu sprechen kommt.

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  11. Ich fand das Buch ganz gut :) Mal sehen ob ich in 6 Jahren zu den Gewichthaltern gehöre ;)

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  12. Und die Frau heißt auch noch Manson...

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  13. Jippi, endlich mal ein ehrlicher Artikel über dieses Buch! In der Community darf man ja nie, aber auch wirklich nie etwas negatives sagen. Oder eine eigene Meinung haben - Sünde!!!! Nur die Meinung der Dr 500 cal am Tag Lady ist genau die Meinung, die bitte schön JEDER haben muss! Ich hab mal in der Gruppe das Wort Sekte gehört! Genau das ist es!

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  14. Schließe mich Nicola an: Altpapier und Kohlsuppe

    Das nenn ich mal eine abstinente Psychologin: Ein Buch über Essgewohnheiten und Abnehmen schreiben und dabei das gesamte vorhandene (und an sich ganz nützliche) psychologische Wissen ausblenden. Ausgeblendet wird auch der Konsens der Fachwelt darüber, dass zu schnelles und einseitig auf Kalorienreduktion fokussiertes Abnehmen kontraproduktiv ist. Wenn man sich auch sonst immer noch über wenig einig ist. Nur Frau Hermann hat das entweder nicht mitbekommen oder setzt sich ganz unwissenschaftlich darüber hinweg. Ich hoffe, dass dieser Diätdinosaurier bald verschwindet, er ist antiquiert und schädlich.

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  15. Hallo,
    ich finde das Buch auch ziemlich problematisch. Nadja Hermann geht z.B. nicht darauf ein, dass Fettzellen Gift enthalten und das man deswegen nicht zu schnell abnehmen soll. Sie behauptet, dass es absolut unproblematisch ist, wenn man schnell abnimmt, obwohl es schon einige Todesfälle deswegen gegeben hat. Magersucht ignoriert sie völlig. Ich habe aber schon einige junge Mädchen kennen gelernt, die dieses Problem hatten. Ebenso kann ich nicht nachvollziehen, warum sie behauptet, ein kräftiger Knochenbau wäre allein durch das Übergewicht vorhanden. Man kann einen Bernhardiner nicht auf Diät setzen, um ihn in einen Windhund zu verwandeln. Warum soll es bei Menschen so anders sein? Man sollte sich ganz einfach an den Fettanteil halten, der von vielen Waagen gemessen werden kann. Ich halte auch nichts von Diätcola und ähnlichem Mist. Entweder man isst Zucker, oder man läßt es bleiben, aber Ersatzstoffe sind absolut blöd. Auch halte ich Sport für absolut wichtig, wobei man eben nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten handeln muss, und eine extrem dicke Person kann dann eben nur einige Schritte spazieren gehen, während andere eben sehr viel mehr tun können.
    Viele Grüße
    Silke

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  16. Irgendwie geht mir seit Tagen schon der Gedabke nicht mehr aus dem Kopf, dass man durch Fettlogik überwinden, von der Fettsucht in die Magersucht getrieben wird. Immerhin kann man sich nach dem Buch eine OP zum Magenbeipass sparen, denn danach nimmt man ebenfalls nicht mehr Kalorien zu sich. Applaus an Frau Hermann für die Anleitung eine Esstörung zu entwickeln.

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  17. Liebe Nicola,
    ich bin Dir sehr dankbar für Deine Kritik. Für mich ist es absolut unverständlich, warum manche Leute das Buch von Nadja Hermann so toll finden und behaupten, es habe ihr Leben verändert. Viele Dinge sind absolut umstritten, aber Nadja Hermann behauptet, die alleinige Wahrheit gepachtet zu haben. Vielleicht sollte man ganz einfach einmal abwarten, ob sie es tatsächlich schafft, ihr Gewicht zu halten.
    Viele Grüße
    Silke

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  18. ...und ich dachte schon ,ich hätte nicht verstanden was da jetzt an dem Buch so toll sein soll.
    Ist ja immerhin eon Bestseller....
    Ich schließe mich allen negativen Kritikern zu 100% an.
    Bin auch nur darauf reingefallen weil es auf Amazon so gut bewertet wurde.
    Nix neues kann mann in diesem Buch finden und ich hoffe es war das letzte was ich mir zum Thema "Diät" gekauft habe.
    Eigentlich müsste man sich doch "nur"gesund ernähren,wie das funktioniert sollte heutzutage jede erwachse Person wissen.

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  19. Auch ich habe mich im Zusammenhang mit der Lektüre der "Fettlogiken" (auf die ich im Zusammenhang mit einem Diskurs unter abnehmwilligen Anhängern des Oeuvres gestoßen bin) sehr geärgert über den herablassenden und anmaßenden Duktus der Texte - sowohl im Buch als auch im begleitenden Blog.
    Auch ich war unschlüssig, ob ich mich verarscht fühlen oder einfach nur erstaunt sein soll über die Behauptung einer Welt, in der Fataceptance Mainstream ist und die bedauernswerten schlank gewordenen von aller Welt gegängelt und getriezt werden. Und ich empfand den Ton, insbesondere im Blog der Autorin, stellenweise als überaus verächtlich.

    Inhaltlich stimme ich Ihrer Kritik zu, möchte aber erwähnen, dass der Emailaustausch, den ich in der Folge mit der Autorin hatte, am Ende meinen Eindruck zumindest dahingehend entschärft hat, dass der Wortwechsel sachlich und respektvoll von statten ging.

    Besonders verärgert hat mich das vehemente Bestreiten eines kollektiv krankmachenden und überflüssigen Schlankheitswahns resp. der damit zusammenhängenden Problematik. In Nadja Herrmanns Welt ist all das vielmehr ein perfides Ablenkungsmanöver davon, dass die Menschheit zu verfetten droht. Ich bin überzeugt, dass eine große Mehrheit der Abnehmwilligen aus medizinischer Sicht nicht abnehmen müßte, und es liegt mir sowieso fern, Menschen in ihrer Lebensführung zu belehren.
    Gleichwohl gehe ich davon aus, dass massives Übergewicht, unter welchem ja durchaus der ein oder andere leidet, die Lebensqualität einzelner auch dann einschränken würde, wenn es keine Schönheitsideale und keine Diätindustrie gäbe. Das zu bestreiten, wäre sicher auch Bockmist.

    Problematisch an Nadja Herrmanns Werk ist aber, dass beides in einen scheinbar zwingenden Zusammenhang gebracht wird und der Eindruck entsteht, der ganze Zirkus rund ums Abnehmen wende sich ausschliesslich an hochadipöse und zudem verzweifelte Risikopatienten. Hinzu kommt, wie Sie so unterhaltsam wie treffend formulieren, dass Nadja Herrmanns Abnehmregeln gerade diesen Menschen vertrauter sein dürften als der eigene Vorname, werden sie schließlich in verschiedenen Varianten seit dem Wirtschaftswunder auf allen verfügbaren Kanälen in regelmäßigen Abständen und volkstauglichen Häppchen dargelegt.

    Ich finde es falsch, gesundheitliche Risiken massiver Adipositas zu bestreiten, wehre mich aber gegen eine genußfeindliche Gesundheitsdiktatur, die völlig unverhältnismäßige Panikmache betreibt und allzu schulmeisternd daherkommt (gilt übrigens auch für den Umgang mit Rauchern). Die "Fettlogiken" hingegen springen genau auf diesen Zug auf und werden möglicherweise auch deswegen so gehypt, weil es gerade in Mode ist, Menschen hinsichtlich ihrer potentiellen Fitness zu maßregeln und sich maßregeln zu lassen ...

    Im Übrigen finde ich es bemerkenswert, dass Sie der tief sitzenden Prägung entkommen sind, Ihr Selbstwertgefühl an ein Schönheitsideal zu knüpfen. Mir selbst ist es trotz aller Analysen emotional nie gelungen, das Gefühl, nur als dünner Mensch ein guter Mensch zu sein, vollständig los zu werden. Gerade vor diesem Hintergrund empfinde ich die Herrmann'schen Darlegungen als recht versagensgefühlsbefördernd.

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  20. Danke für die schönes Zusammenfassung.

    Die Promotion von Frau Hermann habe ich ebenfalls erfolglos gesucht, nachdem im Buch ja an mehreren Stellen sehr dezidiert auf Ihr fundierten Kenntnisse hingewiesen wurde. Auch Ihre Diplomarbeit (Thema Diäten) ist erstaunlicherweise nicht zu finden.

    Schade eigentlich ;-)

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