Sonntag, 26. Oktober 2014

A blast from the past

Ach, dass ich das wirklich aufgehoben habe! Guckt mal, was ich beim Aussortieren meines "Archivs" gefunden habe - eine Anzeige aus den 80ern mit Kelly LeBrock und ihrem explodierten Haar als Werbeträgerin. Trotzdem: Der Slogan ist seitdem teils sowohl Running Joke als auch trotziges Lebensmotto in meinem Haushalt. Man sollte auch heute T-shirts in XXXL damit bedrucken lassen. Denn seien wir ehrlich - seit runde Körper in der Öffentlichkeit immer sichtbarer und selbstbewusster werden - womöglich vermischt sich offene Fettphobie tatsächlich hier und da mit Neid. Und wenn es noch nicht so ist - glauben wir einfach, wenn sie sagt, dass es irgendwann passieren wird. ; )

PS: Ich überlege, ob ich mir die Haare mal wieder blondieren sollte. Hm...,

NH

Samstag, 25. Oktober 2014

THE UGLY GIRLS PROJECT: Im Sessel / In the armchair






© Nicola Hinz 2014

Samstag, 18. Oktober 2014

Follow me around 9: Das Ende der Jagd

Schmetterlingsnetz 1

Betrachten wir das Experiment hiermit als abgeschlossen.

Seit ich auf Online-Dating-Plattformen nach nichts außer einer festen Partnerschaft suche, wird es, wie bereits berichtet, ausgesprochen zäh. In meinem Postkasten im biederen Dating Cafe herrschte gähnende Leere - bis gestern, weil da nämlich der letzte Tag meiner Mitgliedschaft war. Eigenartig, wie das Geschäft auf diesen Seiten immer kurz vor Ladenschluss so überdeutlich anzieht.

Bei Neu.de schaue ich gar nicht mehr rein. Das Publikum ist schlicht zu deprimierend und in vielerlei Hinsicht zu alt, obwohl die Mitgliedschaft dort noch für ein knappes Jahr bezahlt ist. Bei Zoosk ist eine Menge los. Wer fortgesetzt Bewegung und eine große Auswahl will, dem würde ich diese Partnerbörse durchaus empfehlen. Aber für mich war dort auch nach einem Monat Schluss. Ich bin zu schlapp, um die Schlechten immer weiter ins Kröpfchen zu sortieren, wenn es vor den Augen bereits nur noch flimmert.

Ich hätte zu gern noch einmal gewusst, wie echte (Ver)bindung geht, bevor ich alt und grau werde. Aber sei es drum. Einer könnte mich retten. Wenn er wollte. Will er nicht. Ich könnte ihn im Gegenzug auch ein bisschen retten. Wenn er wollte. Will er nicht. Ich gehe neuerdings immer mit Wärmflasche ins Bett. Kein Scherz - die wärmt meine Seele und meine zerlöcherte Mitte, und das ohne Wenn und Aber.

Schmetterlingsnetz 2

Dating down*

Sex ohne alles hingegen wäre noch immer kein Problem. Wenn man ihn noch wollte. Ich will ihn, glaube ich, nicht, obwohl ich eigentlich ein wenig Rehabilitation auf dem Gebiet gebrauchen könnte...

Es war eigentlich immer eine meiner Grundregeln, und dennoch habe mich zuletzt dämlicherweise selbst nicht daran gehalten: Es ist eine ganz schlechte Idee, die eigenen Erwartungen bei der Partnersuche der Qualität des aktuellen Angebots anzupassen. Andere mögen es Oberflächlichkeit nennen, ich nenne es Bauchgefühl. Und damit ist nicht zu spaßen.

Natürlich ist da aber auch der einfältige Rat, den jede berufene Stelle gerne gibt: Ansprüche zurückfahren. Sich mal auf jemanden einlassen, der die Eierstöcke auf den ersten Blick nicht hüpfen lässt, weil er vielleicht doch zu spießig, einfach gestrickt, langweilig oder buckelig erscheint...denn das könnte alles nur Tarnung sein. Ein schwaches Bild, projeziert auf Pergamentpapier, durch das dann zur Belohnung für die Überwindung eigener, vermessener Standards der wahre Prinz dahinter auf  seinem feurigen Ross zu gegebener Zeit hervorbrechen wird. Das zumindest ist die Annahme, die Autoren von Büchern mit schlicht gelogenen Titeln wie "Make Every Man Want You" (Marie Forleo) im Brustton der Überzeugung unters Weibervolk streuen. Aber auch auf den Dating-Portalen im Internet wird immer wieder vehement daran erinnert, dass man besonders als Frau willens sein muss, tiefer zu graben und hinter die Kulissen zu schauen, um verborgene Schätze der Männerwelt zu heben.

Meine Damen: So wird es nicht laufen. Warum sollten tolle Männer sich mit verschrobener Mittelmäßigkeit tarnen, wenn es auf einem Dating-Portal doch auch ihr Ziel sein dürfte, sich möglichst attraktiv zu präsentieren? Wieso sollten sich dort lauter Supermänner auf geheimer Mission tummeln? Die sind schon so, wie ihre Profile: Sie geben sich Namen wie Master666 und posieren dann fürs Foto vor Wasserkochern auf Spitzendeckchen. Oder sie haben ein kluges Profil. Dann sind sie vermutlich auch nicht ganz dumm.

Und wer live bereits nach dem ersten Händeschütteln nach Lahmheit und schlechtem Sex riecht, bei dem wird es keine Überraschungen der spritzigen Art geben. Ich hab's ausprobiert. Ich war sehr gründlich und hatte dank dieses Umstandes am Ende den schlechtesten Sex meines Lebens. Zweimal. Ist schwer zu entscheiden, wer der traurigere von beiden war. Und bevor ich mich sodann aufraffen und von meiner Seite die Abschlussgespräche initiieren konnte, hatten sich beide Kandidaten spontan anderweitig verknallt und mich ihrerseits ohne viel emotionales Trara schriftlich abserviert. Wenn einen dann auch schon die nicht mehr wollen, die man selbst auch nicht gewollt hätte, wird es langsam kritisch. ; ) Man kann die Nase rümpfen und sich lustig machen so viel wie man will - Tatsache ist, dass man den betulichen Langweilern mit ihren behaarten Rücken, ihren kurzen Schwänzen sowie ihrer Humorlosigkeit nicht gut genug war.



Fette, geile Weiber (tanzend)

Etwas, was ich früher (also vor dem Einstig ins Online-Dating) noch nie hatte, ist ein kleines (sehr dünnes und auch nur symbolisches) schwarzes Büchlein mit Nummern von Männern, die man als Single-Frau im Notfall anrufen kann. Also, im Prinzip Typen, mit denen man ehrlich nicht zusammen passt, sich aber aus unbestimmten Gründen gut genug versteht, um locker in Kontakt zu bleiben. Da meldet man sich dann einfach mal, wenn man  z.B. jemanden braucht, der mit einem auf eine Ü100-Party geht. So wie ich gestern Abend. "Oh ja, lass uns fette, geile Weiber angucken gehen!" freute sich Richard durchs Telefon. Natürlich nur, um mich mal wieder zu ärgern.

Richard, mit seiner Vorliebe für Fülle aber ohne Ü100-Erfahrung (h65tttttttttttttttttttttttttttttt - geheime Botschaft vom Kater), hatte mich seinerzeit dazu bewegen wollen, im fleischfarbenen Oma-Hüfthalter und mit hohen Stiefeln durch sein Wohnzimmer zu stöckeln. Nun ist es nicht so, dass ich nicht bei Gelegenheit dazu bereit wäre, etwas Bestimmtes anzuziehen, wenn es meinen Partner scharf macht. Nur muss man dafür auch mein Partner sein. Und warum kann man mit mir noch einmal keine Beziehung haben, Richard? - "Du würdest mich einfach fertigmachen. Du bist so ein unglaublich anstrengendes und resolutes Menschenkind." - Ach ja, das war es... Und dann machte sich Richard am Rande des Tanzbodens doch tatsächlich an die einzige dünne Dame heran, die da herumstand, bis ich ihm sein Jacket entgegen schleuderte und sagte: "Ab nach Hause!" 

Eigentlich hatte ich über die Party schreiben wollen. Aber es gibt nicht viel zu erzählen. Wenig Publikum, viele freie Sitzplätze, Leere auf der Tanzfläche. Um halb zwölf warteten die Taxis auf Fahrgäste vor der Tür. Und Richard sagte, als wir gingen: "Von all den Frauen, die ich heute hier gesehen habe, haben allenfalls zwei oder drei den Eindruck gemacht, dass sie sich in ihren Körpern richtig wohl fühlen und sich nicht verstecken wollen." Und ich glaube, er hatte recht. Traurig irgendwie, aber so war es.

Barhocken

Wohlgemerkt und das letzte Mal verkündet, für alle, die es noch einmal hören wollen/sollen: Sex zu bekommen, ist für dicke Frauen kein Problem im Internet, wo Leute mit spezifischen Vorlieben gehäuft und konzentriert auf einen zusteuern.

Auf freier Wildbahn sah und sieht das anders aus. Da will mich so, wie ich bin, offenbar weiterhin keiner. Für gar nichts. Ich habe auch dieses schon öfter gesagt, ich sage es noch einmal: Nichts macht einen so auffällig und gleichzeitig so unsichtbar wie Fett.

Meine grundsätzliche Annahme/Erfahrung ist nach wie vor diese: Desexualisiert und entfraut durch sein Fett muss man sich keine Sorgen um plumpe Abschleppversuche machen. Man kann den ganzen Abend in Ruhe in der Öffentlichkeit herumlungern, ohne dass einem jeMANNd zu nahe kommt. Selbst dann nicht, wenn man sich strategisch und äußerlich aufgerüstet im passenden Rahmen, also in einer nächtlichen Barlandschaft platziert. Dafür muss man dann aber auch alle Martinis selbst bezahlen. Und das kann teuer werden.

Und obgleich die Männerjagd nun vorzeitig auf Eis gelegt worden ist, werde ich dieses Experiment auf jeden Fall noch einmal machen. Ich werde mich in die Bar begeben. Noch ist nicht ganz klar, wann. Aber es wird so kommen. Denn womöglich ist mit meiner neuen Einstellung zu mir selbst ja alles anders. Vielleicht war es ja meine Säuerlichkeit als Dicke und nicht mein Fett, die mir die Männer in dicken Zeiten stets effektiver vom Leib gehalten hat, als Pockennarben oder Schwefeldünste. Wäre ja mal nett, das wenigstens zu wissen.

NH

Sonntag, 5. Oktober 2014

Follow me around 8: Mittendrin



Ich guckte eines Tages von oben auf meinen Bauch und stellte fest, dass er dieser Tage wie ein Spitzkohl aussieht. Also, wie gesagt - nur von oben jetzt. Ich habe eine punktuelle, ziemlich harte Ausstülpung oberhalb des Nabels, die entnervend in die Welt zeigt. Wenn ich mich setze oder liege, verschwindet sie. Das war offenbar  auch das Problem von zwei Ärzten, die es in den letzten Wochen mit meiner verbeulten Mitte zu tun bekommen hatten. "Legen Sie sich mal hin", hatte es schlicht nicht gebracht. Denn das, was man im Stehen hätte ertasten können, verschwand beim Liegen schlicht wieder durch ein Loch in seine Höhle. Meine Bauchhöhle, um genau zu sein. Die Darmschlingen, die sich durch meine Bauchdecke schlängeln, bzw. herauskippen, wenn ich stehe, sind offenbar wie flinke, listige Tierchen.

Ich wusste, irgendetwas stimmt nicht. Aber zwei Ärzte hatten mir gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich spürte die Beule, die ein wenig hin- und herwaberte, aber beim Stehen und gehen immer da war. Trotzdem dauerte es sage und schreibe bis gestern Abend, bis mich endlich so etwas wie Panik ergriff. Ich stand in der Küche und bekam keine Luft mehr. Dann wurde mir regelrecht blümerant. Mein Bauch fühlte sich an wie ein Korsett. Ich hasste, hasste, hasste ihn mit seinem unberechenbaren und aufdringlichen Inhalt und die Tatsache, dass er mich nun doch dazu zwang, mich ernsthaft mit ihm zu befassen. Vor meinem inneren Augen tanzten Bilder von Tumoren, die sich mit rasender Geschwindigkeit zu Globusgröße entwickeln und mich und mein Leben sprengen würden...

Zwar brachten mich eine Beruhigungstablette und etwas Recherche im Internet langsam wieder auf den Teppich, denn ich ich hatte einen Anfangsverdacht und dann nach ein paar Minuten fast so etwas wie eine Bestätigung desselben: Nabelbruch. Davon stirbt man nicht. Das sollte man nur irgendwann mal operieren lassen.

Aber sicher war ich mir natürlich erst, als ich heute in eine Notfallpraxis im Krankenhaus am Ort ging, und dem Arzt dort meinen nackten Bauch strategisch in aufrechter Position präsentierte. Der sagte: "Ja, das ist es. Man kann auch die Bruchöffnung fühlen." Dann schrieb er mir auf, bei welchem Professor er an meiner Stelle das Loch in der nächsten Zeit mal flicken lassen würde. (Jetzt hoffen wir mal, er und ich haben uns diagnostisch nicht total vertan.)

Zu viel Druck

Meine Mitte ist entzwei. Die Balance ist flöten, alles läuft in diesem Jahr noch etwas mehr aus dem Ruder als sonst, und ich werde offensichtlich und buchstäblich langsam dünnhäutiger, statt resilienter. Der Körper steckt nicht mehr weg, sondern serviert einem ein Projekt nach dem nächsten. Erst Haut, dann Zucker und jetzt ein Loch im Bauch. Ich weiß die umwerfende Symbolik zu schätzen. Aber ich habe keine Zeit, krank zu sein. Und ganz ehrlich: Es war beleibe nicht notwendig, mir jetzt abermals zu erklären, dass ich meine Mitte finden und mehr respektieren soll. Das weiß ich tatsächlich alles schon. Allein, ich kenne den Weg zu meiner Mitte nicht so recht.

Kram

Und  weil das so ist, habe ich, auch an diesem Wochenende, mal wieder begonnen zu graben. Im wahrsten Sinne des Wortes und in meiner persönlichen Geschichte zugleich. Denn mein nächster Lebensraum ist noch immer ein Ich-Museum ungeahnter Fülle. Vorgestern habe ich säckeweise alte Fotos und Dias fortgeworfen. Dann tatsächlich Bücher. Schwupps - in den Müll damit. Ich habe keine Zeit mehr, lange nach Abnehmern zu suchen. Ich muss die Organisation und Vereinfachung des Alltags endlich schaffen, um die Hände für Freude und Balance überhaupt frei zu haben.

Dass Kram einen erstickt und daran hindert, frei zu leben und sich nicht dauernd mit bombastischen Nebensächlichkeiten abzuplagen, ist klar. Wenn man an seine Lieblingsdinge nicht rankommt, oder Sachen nicht wegräumen kann, oder sich überall in der Wohnung kleine Horrorecken bilden, dann saugt das Energie und macht mich persönlich auch schon lebenslang fahrig und unzufrieden. Ich kämpfe gegen die Flut der Dinge solange ich denken kann. Auch bereits als Kind, als die ersten Bücherkisten in der Keller mussten, weil das Kinderzimmer zu klein wurde. Allerdings sind die Rückschläge schwer und die Energie und Konsequenz selten ausreichend. Einer meiner besonderen Feinde ist ja Kabelsalat. Das wird sich jetzt ändern. Alle Kabel werden demnächst zusammengerafft und BESCHRIFTET. Diesmal soll alles anders werden. Endgültig.

Im Bad habe ich eine Schachtel gefunden, in der sich alte Kosmetika von meiner Mutter befinden. Dass diese bisher nicht geöffnet worden ist, hat bestimmt seine Gründe. Es war halt noch nicht Zeit. Und ich habe gelernt, zu akzeptieren, dass das Loslassen auch fünf Jahre später noch immer nicht komplett stattgefunden hat.* Die Existenz der inzwischen brüchigen Nivea-Creme in meinem Haushalt ist ein hervorragendes und vermutlich sogar ziemlich drastisches Beispiel für "emotional clutter". Das meiste, was wir haben, obwohl es keinen klaren Zweck erfüllt und eigentlich nur immer im Weg herumliegt, dürfte in diese Kategorie fallen. Fotos von Leuten, die meine Eltern (aber ich nicht) kannten. Bücher mit Widmung (an meinen Vater), die ich bestimmt nie lesen werde. Steine. Federn. Muscheln. Postkarten. Skizzenblöcke von meiner Mutter. CDs von Ex-Freunden mit Musik, dich ich nie so recht leiden konnte. Die Stühle aus dem Esszimmer meiner Kindheit, die ich immer mal aufarbeiten lassen wollte. Material für Kunstprojekte, die einfach nicht passieren. Und wer weiß, ob jemals.

Inzwischen gibt es ja massenhaft professionelle Hilfsangebote, um sein Leben auszumisten und sich von Ballast zu befreien. Vollgestopfte Häuser sind nichts ungewöhnliches. Das steht fest. Längst befasst sich auch die Wissenschaft mit dem Haben und Horten.

Wie bei allem, was das Leben besser machen soll, muss man ein wenig aufpassen, dass es nicht zur Ersatzreligion wird. Akribische Selbstorganisation als Selbstzweck ist genauso wenig zielführend wie ein Putzzwang, wenn es schließlich darum geht, sich der Macht der Dinge am Ende des Tages zu entziehen. Wenn sie sich in der weiteren Welt da draußen eigentlich nicht zurechtfinden, hilft es nichts, wenn Menschen in der Abstellkammer auch nicht die kleinste Kleinigkeit mehr dem Zufall überlassen. Obwohl es gelegentlich schon ausgesprochen faszinierend sein kann, sie dabei zu beobachten.

Obendrein kann es leicht dazu kommen, dass bei dem Unternehmen Selbst- und Haushaltsorganisation zunächst einmal noch mehr Kram ins Haus geschleppt wird... ; )





















*Vielleicht vlogge ich mal das Entpacken und Auflösen - als leicht morbide Alternative zum herkömmlichen "Unboxing".

NH